Kategorie: Mängel

Lärm - Grundbegriffe

fl_laerm2Wer sich mit der Gewährleistung wegen Lärms befasst, der muss nicht nur die einschlägigen Vorschriften und Entscheidungen kennen, sondern sollte auch mit den wesentlichen Fakten und Grundbegriffen des Themas vertraut sein, schon um ein gemeinsames Begriffsverständnis mit dem Gesprächspartner zu haben. Das haben Vermieter, Mieter und Juristen häufig nicht.

Es ist auch mühsam, sich die dazu erforderlichen Informationen aus den verschiedensten Quellen zusammenzusuchen. Aus diesem Grunde fassen wir in diesem Beitrag diese Fakten und Grundbegriffe in einer auch für technische und juristische Laien verständlichen Ausdrucksform zusammen.

Schall

Unter Schall versteht man mechanische Schwingungen und Wellen, die sich in gasförmigen, flüssigen und festen Stoffen ausbreiten.

Man unterscheidet Luftschall und Körperschall. Luftschall ist der Schall, der sich unmittelbar in der Luft ausbreitet. Er entsteht durch Sprechen, Musizieren, Tonwiedergabegeräte, Maschinen- und Verkehrsgeräusche, etc. Körperschall ist der Schall, der sich zunächst in festen Körpern wie einem Gebäude ausbreitet. Er entsteht durch Gehen, Klopfen, Stühlerücken, Haushaltsgeräte (Waschmaschine) oder auch Maschinen wie die Aufzüge im Haus. Er wird dadurch hörbar, dass er sich durch Anregung der umgebenden Luft in Luftschall verwandelt. Der im Mietrecht wohl bekannteste Fall ist der Trittschall, der durch das Gehen auf dem Boden entsteht und auf die darunterliegende Wohnung übertragen wird.

Frequenz

Die Höhe des Schalls wird durch seine Frequenz bestimmt. Die Frequenz ist als Schwingung pro Sekunde definiert. Je größer die Frequenz, desto höher ist der Ton. Gemessen wird die Frequenz in Hertz (Hz).

Bei den Frequenzen werden drei Bereiche unterschieden:

Der Infraschall (0 Hz bis 16 Hz) ist für den Menschen nicht hör-, aber spürbar. Man denke an das Wummern der Bässe aus dem Partykeller des Nachbarn.

Der Normalschall (16 Hz bis 16.000 Hz) ist der für den Menschen hörbare Bereich. Lärmprobleme treten in der Regel in dem Bereich zwischen 100 Hz und 3.150 Hz auf.

Der Ultraschall (über 16.000 Hz) ist für den Menschen nicht hörbar und daher auch nicht relevant für das hier behandelte Thema.

Je niedriger die Frequenzen, desto schwieriger ist die Dämmung der Lärmausbreitung.

Ton

Ein Ton ist die Schallschwingung mit einer einzelnen Frequenz. Man kennt die Töne beispielsweise von der Tonleiter.

Geräusch

Ein Geräusch ist die Schallschwingung mit mehreren Frequenzen.

Lärm

Lärm ist jede Geräuschimmission, die als störend und belästigend empfunden wird und dadurch das Wohlbefinden, die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Betroffenen beeinträchtigt.

Lärm wird um so störender und belästigender, je lauter, andauernder und häufiger er auftritt. Da auf das Empfinden der Menschen abgestellt wird, ist Lärm ein subjektiver Begriff. Dies macht es auch so schwierig, rechtlich verbindliche Maßstäbe festzulegen.

Die Bewertung von Schall als Lärm

Wer am Abend beschwingt mit dem Wagen von der Arbeit nach Hause fährt und dabei laute Musik hört, wird diese Geräuschkulisse nicht als Lärm empfinden. Das gleiche Lied in gleicher Lautstärke 3 Stunden später aus dem Zimmer des pubertierenden Sohnes anhören zu müssen, kann durchaus zu einer anderen Beurteilung führen. Das macht deutlich, dass die Definition eines Geräusches als Lärm immer auch eine Bewertung voraussetzt, physikalisch und rechtlich.

Lautstärke

Durch die Schallwellen entstehen in der Luft Druckschwankungen. Dieser Schalldruck wird genutzt, um die Lautstärke eines Geräusches zu beschreiben. Die Maßeinheit für die Stärke des Schalls ist Dezibel, kurz dB.

Da das menschliche Gehör Schall gleichen Schalldrucks, aber verschiedener Frequenzhöhe, unterschiedlich laut empfindet, muss die Lautstärke in der Praxis durch einen bewerteten Schallpegel beschrieben werden, der in der Maßeinheit dB(A) ausgedrückt wird. Dieser Schallpegel berücksichtigt die Eigenart des menschlichen Ohres, niedrige Töne weniger laut zu empfinden als höhere.

Auch ein so definierter Schallpegel ist aber nur ein rechnerischer Anhaltspunkt, der nur dann verstanden werden kann, wenn er mit den allgemeinen Erfahrungswerten verglichen wird. Dazu nachfolgend einige Beispiele:

  • 6 dB(A) Beginn der Hörempfindung
  • 20 dB(A) Ticken einer Uhr
  • 30 dB(A) übliche Wohngeräusche
  • 35 dB(A) Grenze für Nachtgeräusche in Wohnvierteln
  • 45 dB(A) Grenze für Tagesgeräusche in Wohnvierteln
  • 50 dB(A) normale Unterhaltung, Büro
  • 60 dB(A) laute Unterhaltung, Staubsauger
  • 65 dB(A) Beginn der Schädigung des vegetativen Nervensystems
  • 70 dB(A) Telefonklingel, laute Strasse
  • 80 dB(A) starker Verkehrslärm, Kinderlärm
  • 90 dB(A) Kreissäge, Presslufthammer, Motorrad, Beginn von Gehörschäden
  • 120 dB(A) Motorflugzeug in 3 m Entfernung, Schmerzschwelle
  • 140 dB(A) Düsenflugzeug in 15 m Entfernung


Nimmt der Schallpegel um etwa 10 dB(A) zu, so entspricht dies einer Verdoppelung der Lautstärke.

Da die meisten störenden Geräusche nicht konstant auftreten, sondern sich wie beispielsweise bei Verkehrsgeräuschen ständig verändern, wird der Schallpegel in der Regel als sogenannter Mittelungspegel angegeben. Er entspricht dem Pegel eines gleichbleibenden Dauergeräusches, das etwa die gleiche Störwirkung hat wie das zu kennzeichnende veränderliche Geräusch. Er wird in Dezibel(A) oder dB(A) angegeben.

Straßenverkehrsgeräusche in der Nähe von Kreuzungen und Einmündungen mit einer Ampel sind für die Anwohner störender als die des fließenden Verkehrs. Diese erhöhte Störwirkung, die nicht messbar ist, wird durch einen Zuschlag von 0 - 3 dB(A) zum Mittelungspegel berücksichtigt. Hierdurch wird der Mittelungspegel zum sogenannten Beurteilungspegel. Auch dieser wird in dB(A) angegeben.

Schienenverkehrsgeräusche werden dagegen als weniger lästig empfunden. Diese Besonderheit wird durch den sog. Schienenbonus berücksichtigt. Er wurde mit 5 dB(A) festgelegt und wird vom Mittelungspegel abgezogen. Hierdurch erhält man ebenfalls den in dB(A) angegebenen Beurteilungspegel.

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