Kategorie: Mängel

Feuchtigkeit und Schimmel - Grundlagen

fl_feuchtigkeitFeuchtigkeit ist der häufigste Grund für Schäden an Bauwerken und damit auch Anlass für mangelbedingte Mietminderungen. Feuchtigkeit führt häufig zur Bildung von Schimmel.

Schimmelpilze sind in Haushalten weit verbreitet. Zu diesem Ergebnis kam die Stiftung Warentest Anfang 2013 in einer Umfrage, an der sich mehr als 4.000 Personen beteiligt haben. 60 Prozent bestätigten einen aktuellen Schimmelpilzbefall in ihrer Wohnung. Weitere 8 Prozent hatten verdächtige Flecken oder Schimmelgeruch entdeckt.

In 53 Prozent der Fälle befanden sich die Schimmelflecken im Badezimmer. Auch in 40 % der Schlafzimmer gab es Schimmel­probleme. Schlaf­zimmer sind in vielen Wohnungen die kühlsten Räume. Es ist hier schwierig, die beim Schlafen ausgeschwitzte Feuchtigkeit abzuführen.

Schimmelpilze mögen es feucht und kalt – das zeigen die Antworten auf die Frage nach befallenen Flächen. In 59 Prozent der Fälle waren kalte Außenwände betroffen. Auf ihnen kondensiert die Luft­feuchtig­keit (Dazu unten mehr). Schimmel findet sich auch häufig an Fenster- und Türrahmen oder den Laibungen. Jeweils etwa 30 Prozent haben hier Flecken entdeckt.

Weitere oft genannte Problemzonen: Fliesenfugen oder Silikondichtungen im Sanitär­bereich (29 Prozent), kühle Zimmerdecken (13 Prozent) sowie der Bereich hinter Schränken, Wand­verkleidungen und Bildern (16 Prozent). Auch hier macht sich die unzu­reichende Wärmedämmung der Außenfassade oft negativ bemerk­bar. Oft genannte Problem­bereiche sind darüber hinaus Roll­laden­kästen, Heizkör­pernischen, Zimmer­ecken, Dusch­kabinen und Matratzen.

Feuchtigkeitsschäden können auch durch aufsteigende Feuchtigkeit oder durch Witterungsfeuchtigkeit entstehen. Die meisten mietrechtlichen Auseinandersetzungen verursacht jedoch die Nutzungsfeuchtigkeit, d.h. die Tauwasserbildung im Inneren der Gebäude. Die Gefahr von Feuchtigkeitsschäden ist durch die moderne Bauweise mit mehrschichtigen Leichtbauteilen in den letzten Jahrzehnten größer geworden.

Um die einschlägigen Gerichtsurteile und die Ausführungen der Sachverständigen richtig verstehen und bewerten zu können, ist insbesondere in Bezug auf die Probleme mit der Nutzungsfeuchtigkeit die Kenntnis einiger bauphysikalischer Grundlagen erforderlich, die wir nachfolgend kurz erläutern werden.

Luftfeuchtigkeit

Luft enthält Wasserdampf. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte Luft. Die Menge der in der Luft enthaltenen Feuchtigkeit ist also abhängig von der Lufttemperatur. Sie wird daher relative Luftfeuchtigkeit genannt und in Prozent ausgedrückt. Die relative Luftfeuchtigkeit nimmt bei gleichbleibender Feuchtigkeitsmenge mit steigender Temperatur ab und mit sinkender Temperatur zu. Bei 100 % ist die je nach Temperatur unterschiedliche maximale Luftfeuchtigkeit erreicht. Die übliche Luftfeuchtigkeit in Wohnungen liegt bei 55 - 65 %.

Taupunkt

Kühlt sich die Luft in einem Raum ab, so steigt die relative Luftfeuchtigkeit. Ist die maximale Luftfeuchtigkeit von 100 % erreicht, so wird bei weiterer Abkühlung Wasserdampf in Form von Tauwasser auf kalten Bauteilen oder Gegenständen aus der Luft abgeschieden. Die Temperatur, bei der dies geschieht, wird Taupunkt genannt.

Die Entstehung von Tauwasser auf Bauteiloberflächen

Tauwasser bildet sich auf Bauteiloberflächen, vor allem auf Wänden, immer dann, wenn deren Oberflächentemperatur den Taupunkt der Raumluft unterschreitet. Dies kann geschehen, wenn die Wärmedämmung der Wand nicht ausreichend ist, so dass bei kalten Außentemperaturen die Bauteilwärme von der inneren Oberfläche nach außen wandert. Man nennt dies eine Wärmebrücke. Die Feuchtigkeit schlägt sich dann auf der Wandoberfläche nieder und kann dort zu Feuchtigkeits- und Schimmelschäden führen.

Auch eine zu hohe relative Luftfeuchtigkeit kann zu Tauwasser auf den Wänden führen. Dies geschieht z.B. in der Küche beim Kochen oder im Bad beim Duschen. Die Luftfeuchtigkeit muss dann durch Lüften abgeführt werden.

Auch sonst kann die Nutzung der Wohnung durch die Bewohner zu einer hohen relativen Luftfeuchtigkeit führen, die durch regelmäßiges Lüften abgeführt werden muss.

Zur Bedeutung und Funktionsweise des Lüftens und zu den Zusammenhängen zwischen Temperatur und Luftfeuchtigkeit hat das Landgericht Konstanz in einem Urteil vom 20.12.2012 - Aktenzeichen (Az.) 61 S 21/12 A (www.mietemindern.de/urteile/1870) sehr instruktiv ausgeführt:

"Unter dem Normklima versteht der Sachverständige (AS I/553), dass der Mieter die Räume auf 20°C bei einer Luftfeuchtigkeit von 50 % beheizt. 7000 g Wasser sind täglich abzuleiten. Je kälter die Außenluft ist, desto mehr Feuchtigkeit kann nach außen abgetragen werden. Bei einem Innenklima von 20°C und einem Außenklima von -5°C können pro Luftwechsel 1603 g Wasser, bei 0°C 1259 g Wasser, bei 4,9°C 875 g Wasser abgeführt werden. Bei -5°C Außentemperatur ist 1-2 mal zusätzlich zu lüften, bei 0°C Außentemperatur 3 mal und bei der sogenannten Durchschnittswintertemperatur von 4,9°C 5 - 6 mal. Der Sachverständige hat bei seiner Anhörung ausgeführt, dass bei 2-3-maligem Lüften und bei einer Beheizung von 20°C die Feuchtigkeit nicht auf einen Luftfeuchtigkeitswert von 75-82 % ansteigt. Dieser Feuchtigkeitsgrad ist erforderlich, damit die detektierten Pilzspezies mit der Keimung und Ausbreitung beginnen können.

Der Sachverständige hat aber weiter bei seiner Anhörung ausgeführt, dass bei einer Senkung der Temperatur auf beispielsweise 17°C die Gefahr der Schimmelbildung steige und es selbst bei vielfachem Lüften zur Schimmelbildung komme. Dies werde noch dadurch verstärkt, dass es im Bereich der Dachgauben und Fenster der jeweiligen Räume grenzwertig im Sinne der DIN 4108-2, sei, hier also am ehestens mit dem Auftreten von Schimmel zu rechnen sei. Bei sinkenden Temperaturen steige die relative Luftfeuchte, im Schlafzimmer bei 18°C auf 56 %, bei 17°C auf 60 % bei 16°C auf 63 %. Der Sachverständige hat in seinem Gutachten ein Beispiel berechnet (S. 37 Hauptgutachten - AS 349). Wird der Raum auf 20°C bei 60 % relativer Luftfeuchtigkeit beheizt, ist keine Schädigung der Bauteile zu befürchten. Wird die Raumluft auf 17°C abgekühlt, so steigt die relative Luftfeuchtigkeit auf 72°C. Findet jetzt kein ausreichender Feuchteaustausch statt, kommt es zur Kondensation an den entsprechenden Oberflächen."


DIN 4108

In der DIN 4108 sind Regelungen zum Mindestwärmeschutz enthalten. Werden diese erfüllt, tritt ein Tauwasserniederschlag auf den Oberflächen von Bauteilen bei üblicher Nutzung und Lüftung in der Regel nicht auf. Für die mietrechtliche Rechtsprechung ist die Einhaltung der DIN allerdings nicht die entscheidende Größe. Auch wenn die Regeln der DIN 4108 eingehalten werden, liegt bei Feuchtigkeit und Schimmel durch Tauwasser ein Mangel der Mietsache vor.

Wasserdampfdiffusion

Der Wasserdampf und die Lufttemperatur erzeugen einen bestimmten Dampfdruck. Dieser ist in bewohnten Räumen in der Regel größer als im Freien. Da der Dampfdruck bestrebt ist, sich auszugleichen, entsteht eine Wanderung zumeist von Innen nach Außen. Man nennt diese Wanderung des Wasserdampfes Wasserdampfdiffusion.

Diffundiert der Wasserdampf durch eine Wand hindurch, so nimmt mit sinkender Temperatur, in der Regel von innen nach außen, die relative Luftfeuchtigkeit zu. Ist die Luft gesättigt, kondensiert ein Teil des Wasserdampfes zu Feuchtigkeit, was zu einer Innendurchfeuchtig der Bauteile führt. Da Wasser Wärme besser leitet als Luft, wird durch diese Feuchtigkeit auch die Wärmedämmfähigkeit der Bauteile herabgesetzt. Außerdem kann an organischen Stoffen wie Holz Schimmel entstehen.

Aus diesem Grunde muss gewährleistet sein, dass der Wasserdampf möglichst ohne Kondensation durch die Bauteile hindurchdiffundiert und dass trotzdem im Inneren eines Bauteils anfallendes Wasser abgeführt wird.

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