Kategorie: Mängel

Warmwasser - Ausfall, Einschränkung, erforderliche Temperaturen, Mietminderung, Vorlaufzeit

fl_wasser2Zu den mietvertraglichen Pflichten des Vermieters gehört die Sorge für eine ausreichende Warmwasserversorgung der Mieträume. Wenn der Mieter in der Wohnung nicht über ausreichend Warmwasser verfügt, liegt ein Mangel vor, der alle Gewährleistungsrechte eröffnet.

Die Bedeutung von warmem Wasser zum Wohnen

Man benötigt warmes Wasser vor allem für die Körperhygiene, aber auch zur Zubereitung von Nahrungsmitteln und Getränken oder für Reinigungsarbeiten.

Mietminderungstabelle - ausgewählte Urteile zu "Warmwasser"

Urteil Mietminderung in % Gericht Ort
Eine Störung der Warmwasserversorgung in einem Büro ist ein Mangel der Mietsache, der eine Mietminderung um 10 % rechtfertigt. Az. 8 U 209/07 … (Referenz) 10 Kammergericht Berlin
Der Ausfall der Warmwasserbereitung in einer Wohnung ist ein Mangel der Mietsache, der eine Mietminderung in Höhe von 15 % rechtfertigt. Az. 232 C 37276/90 … (Referenz) 15 Amtsgericht München
Ein morgendlicher Kaltwasservorlauf von ca. 10 Litern stellt einen Mangel der Mietsache dar, der eine Mietminderung von 10 % rechtfertigt. Az. 12 C 214/00 … (Referenz) 10 Amtsgericht Berlin-Köpenick
Unregelmäßige Wassertemperaturen beim Duschen rechtfertigen eine Mietminderung von 13 %. Az. 204 C 349/02 … (Referenz) 13 Amtsgericht Berlin-Charlottenburg
Kann Warmwasser nicht gleichzeitig aus dem Badewanneneinlass und der Dusche entnommen werden, so stellt dies einen Mangel der Mietsache... Az. 4 C 1719/03 … (Referenz) 5 Amtsgericht Meißen
Wird eine Warmwassertemperatur von 40 °C erst nach einem Ablauf von bis zu 50 l Wasser erreicht, so handelt es sich dabei um einen Mangel... Az. 211 C 70/06 … (Referenz) 5 Amtsgericht Berlin-Charlottenburg
Kann der Durchlauferhitzer nicht ausreichend Wasser erwärmen, dass eine Person duscht und eine andere gleichzeitig das Geschirr abspült... Az. 220 C 152/07 … (Referenz) 3 Amtsgericht Köln
Entfällt aufgrund einer Einstellung der Gasversorgung die Warmwasserbereitung, so ist dies ein Mangel der Mietsache, der eine... Az.  64 T 69/93 … (Referenz) 10 Landgericht Berlin
Kommt in einer Wohnung nach eintägiger Abwesenheit der Mieter nahezu eine Stunde lang nur braunes Wasser aus den Leitungen, so handelt es... Az. 102 C 55/94 … (Referenz) 5 Amtsgericht Berlin-Schöneberg
Schaltet sich die verbundene Heizungs- und Warmwasseranlage immer wieder ab, so dass sie immer wieder von Hand eingeschaltet werden muss,... Az. 5 S 95/96 … (Referenz) 10 Landgericht Heidelberg
Der Ausfall der Warmwasserversorgung ist ein Mangel der Mietsache und rechtfertigt eine Mietminderung in Höhe von 15 %. Az. 201 C 546/10 … (Referenz) 15 Amtsgericht Köln


Fehlende Warmwasserversorgung

Fehlt warmes Wasser aus der Warmwasserleitung, so wird man es in den meisten Fällen substituieren können, indem man das Wasser auf dem Herd oder in einem Wasserkocher erwärmt. Dies ist mit einem zusätzlichen Zeit- und Kostenaufwand verbunden. Lediglich in den Bereichen, in denen große Mengen warmes Wasser verfügbar sein müssen, also für das Duschen oder zum Baden, ist eine Substitution nicht möglich. Hier wird man auf weniger komfortable Varianten ausweichen und sich beispielsweise am Waschbecken mit einem Lappen waschen müssen.

Die Einschränkung ist also unbestreitbar, sie ist jedoch überschaubar und läßt sich durch den Einsatz von eigener Zeit und eigenem Aufwand abmildern. Die Mietminderung wird sich also im niedrigen Prozentbereich bewegen. Die meisten Entscheidungen liegen in diesen Fällen bei 10 bis 15 % (Kammergericht Berlin, Urteil vom 28.04.2008, 8 U 209/07, www.mietemindern.de/urteile/220, 10 % bei Gewerbe; Amtsgericht München, Urteil vom 10.01.1991, 232 C 37276/90, www.mietemindern.de/urteile/226, 15 % bei einer Wohnung; Landgericht Berlin, Urteil vom 04.06.1993, 64 T 69/93, www.mietemindern.de/urteile/1322, 10 %; Amtsgericht Köln, Urteil vom 20.04.2011, 201 C 546/10, www.mietemindern.de/urteile/1439, 15 %).

Eingeschränkte Warmwasserversorgung

Die Warmwasserversorgung muss nicht komplett ausfallen. Sie kann auch eingeschränkt sein. Dabei sind 2 Fälle denkbar.

Zum einen wenn die erforderlichen Temperaturen nicht erreicht werden. Der übliche Temperaturbereich liegt bei 30 bis 60 Grad. Die Normaltemperatur für Thermostatventile liegt bei 40 Grad. Nach einer Entscheidung des LG Hamburg (WuM 1978, 242) sollen 40 bis 50 Grad ausreichend sein. In diesem Bereich sollten sich die Temperaturen bewegen. Liegen sie darunter, kann man die Warmwasserversorgung als defekt bezeichnen. Wird das Warmwasser in einer Wohnung nicht mehr als 36,5 Grad Celsius warm, so handelt es sich dabei nach einem Urteil des Amtsgerichts Berlin-Schöneberg vom 29.04.1996 (102 C 55/94, www.mietemindern.de/urteile/1323) um einen Mangel der Mietsache, der eine Mietminderung in Höhe von 10 % rechtfertigt. Zu berücksichtigen ist dabei laut Gericht nicht nur, dass maximal 36,5 Grad warmes Wasser (wie in dem entschiedenen Fall) kaum ausreicht, um bei Reinigungsarbeiten befriedigende Ergebnisse zu erzielen. Stärker ins Gewicht falle, dass Wasser, dessen Temperatur niedriger sei als die durchschnittliche Körpertemperatur, nicht geeignet sei, beim Baden oder Duschen ein angenehmes Gefühl zu gewährleisten.

Zum anderen gibt es häufig Probleme damit, dass das Wasser erst nach einiger Zeit warm wird und bis dahin schon eine Menge kaltes Wasser sozusagen nutzlos abgeflossen ist. Das Wasser kann nicht immer warm an der Zapfstelle vorgehalten werden, schon aus energetischen Gründen. Es sollte aber in einem überschaubaren Zeitraum von höchstens 10 Sekunden zur Verfügung stehen. Dauert es länger, liegt ein Mangel vor, der zu einer Mietminderung berechtigt. Nach einem Urteil des AG Berlin Köpenick vom 15.11.2000 (12 C 214/00, www.mietemindern.de/urteile/486) ist schon ein Kaltwasservorlauf von 10 Litern (Ein Wassereimer voll) vom Mieter nicht mehr hinzunehmen und rechtfertigt eine Mietminderung von 10 %. Wird eine Warmwassertemperatur von 40 °C erst nach einem Ablauf von bis zu 50 l Wasser erreicht, so handelt es sich dabei nach einem Urteil des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg (211 C 70/06, www.mietemindern.de/urteile/917) um einen Mangel der Mietsache, der eine Mietminderung in Höhe von 5 % rechtfertigt.

Erhebliche Temperaturschwankungen stellen ebenfalls einen Mangel dar, genauso Wartezeiten von 30 Minuten bis zum Volllaufen der Badewanne. Unregelmäßige Wassertemperaturen beim Duschen sind nach einem Urteil des Amtsgerichts Berlin-Charlottenburg (204 C 349/02, www.mietemindern.de/urteile/498) ein Mangel der Mietsache und rechtfertigen eine Mietminderung von 13 %.

Kann Warmwasser nicht gleichzeitig aus dem Badewanneneinlass und der Dusche entnommen werden, so stellt dies nach einem Urteil des Amtsgerichts Meißen vom 24.03.2005 (4 C 1719/03, www.mietemindern.de/urteile/547) einen Mangel der Mietsache dar, der eine Mietminderung in Höhe von 5 % rechtfertigt. Kann der Durchlauferhitzer nicht ausreichend Wasser erwärmen, dass eine Person duscht und eine andere gleichzeitig das Geschirr abspült oder mit warmem Wasser kocht, liegt ein Mangel vor, der eine Mietminderung von 3 % rechtfertigt (Urteil des Amtsgerichts Köln vom 09.04.2008, 220 C 152/07, www.mietemindern.de/urteile/926).

Schaltet sich die verbundene Heizungs- und Warmwasseranlage immer wieder ab, so dass sie immer wieder von Hand eingeschaltet werden muss, so handelt es sich dabei nach einer Entscheidung des Landgerichts Heidelberg vom 08.09.1996 (5 S 95/96, www.mietemindern.de/urteile/1324) um einen Mangel der Mietsache, der eine Mietminderung in Höhe von 10 % rechtfertigt.

Dezentrale Warmwasserbereitung

Soweit die Wohnung über eine eigene Warmwasserbereitung in Form von Durchlauferhitzern oder einer Gasetagenheizung verfügt, müssen diese funktionstüchtig sein. Wenn sie gar nicht oder nicht richtig funktionieren, ist der Vermieter nach einer entsprechenden Anzeige des Mieters verpflichtet, die Geräte einstellen oder reparieren zu lassen.

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